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Sep 11 2012

Kreuzbandriss

Ein Kreuzbandriss ist eine vollständige oder teilweise Unterbrechung des Kreuzbands durch äußere Gewalteinwirkung.

Die Kreuzbänder verbinden im Kniegelenk den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia). Ein Kreuzbandriss kommt häufig bei Sportarten wie Fußball oder Skifahren vor.

Neben einer konservativen Behandlung mit Muskelaufbau und Kältetherapie wird vor allem bei sportlich aktiven Menschen das gerissene Band durch eine intakte Sehne ersetzt. Nach einem Zeitraum von bis zu 16 Wochen nach der Operation ist meist wieder die volle Leistungsfähigkeit erreicht.

Definition

Ein Kreuzbandriss ist eine vollständige oder teilweise Unterbrechung des Bands durch äußere Gewalteinwirkung. Das hintere Kreuzband reißt wesentlich seltener als das vordere. Die Kreuzbänder verbinden im Kniegelenk den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia). Sie befinden sich innerhalb der Gelenkkapsel und sind maßgeblich an der richtigen Bewegung des Kniegelenks beteiligt: Sie verhindern, dass die Oberschenkelgelenkflächen von den flachen Gelenkpfannen des Schienbeins abgleiten, und sorgen für den Zusammenhalt des Gelenkkörpers. In jedem Kniegelenk befinden sich jeweils ein hinteres und ein vorderes Kreuzband.

Ursachen

Ein Kreuzbandriss entsteht durch äußere Einwirkungen. Das hintere Kreuzband kann reißen, wenn auf das gebeugte Kniegelenk direkte Gewalt ausgeübt wird oder wenn das Gelenk gewaltsam überstreckt wird; wird das Kniegelenk bei angespannten Oberschenkelmuskeln überstreckt oder gewaltsam gebeugt, kann das vordere Kreuzband reißen. Häufig kommt es bei Sportarten wie Fußball oder Skifahren zu einem Kreuzbandriss, wenn bei angespannten Muskeln und Bändern das Bein verdreht wird.

In vielen Fällen ist bei einem Kreuzbandriss zusätzlich der Innenmeniskus oder das Innenband betroffen. Sind Kreuzband, Innenband und Innenmeniskus gleichzeitig verletzt, wird dies als Unhappy Triade bezeichnet.

Symptome

Der Kreuzbandriss selbst – also der Moment, in dem das Band reißt – ist deutlich spürbar. Gleichzeitig ist ein knackendes Geräusch zu hören. Erste Symptome eines Kreuzbandrisses sind eine Schwellung sowie Schmerzen im Kniegelenk. In manchen Fällen entsteht ein schnell nachlaufender, blutiger Erguss des Gelenks.

Charakteristisch für einen Kreuzbandriss ist, dass sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel bei einem hinteren Kreuzbandriss nach hinten und bei einem vorderen nach vorne verschieben lässt (hinteres beziehungsweise vorderes Schubladen-Zeichen). Häufig treten zusätzlich eine ausgeprägte Gangunsicherheit und ein spontanes Wegknicken im Gelenk auf. Zudem kommt es bei einem Kreuzbandriss oft zu Streck- und Beugehemmungen oder zu einer Pseudoblockade im Gelenk.

Diagnose

Äußerlich kann ein Kreuzbandriss anhand von Knieschwellung, Gelenkerguss, eingeschränktem Bewegungsumfang und Schmerzen diagnostiziert werden. Der Gang ist unsicher, die Gelenke knicken weg und das Knie ist instabil, was durch verschiedene Bewegungstests nachgewiesen werden kann.

Apparativ kann der Kreuzbandriss mithilfe eines Röntgenbilds oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) festgestellt werden. Eine Kniegelenkspiegelung  wird selten allein diagnostisch angewendet, sondern meist mit einer gleichzeitigen Therapie kombiniert. In Ausnahmefällen wird eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) durchgeführt, um einen Kreuzbandriss zu diagnostizieren.

Therapie

Ziele der Therapie eines Kreuzbandrisses sind

  • die Stabilisierung des Gelenks,
  • die Reduzierung von Schwellungen und Schmerzen,
  • die Wiederherstellung der Berufs- und Sportfähigkeit,
  • die Steigerung der Lebensqualität.

Als Erstversorgung nach einem Kreuzbandriss sollte das Bein geschont und hoch gelagert und das Knie gekühlt werden. Gegen die Schmerzen können verschiedene Schmerzmittel (Analgetika), kortisonfreie Entzündungshemmer (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR), direkte Injektionen von Kortisonpräparaten in das Gelenk und SYSADOA (Symptomatik Slow Acting Drugs in Osteoarthritis) verabreicht werden.

Operation

Die operative Therapie eines Kreuzbandrisses wird in den meisten Fällen zwei bis vier Wochen nach dem Unfall durchgeführt. Nachteil einer Operation sind eine lange Rehabilitationszeit und eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit (etwa 16 Wochen).

 

Da eine Naht des Kreuzbandrisses nicht den nötigen Erfolg verspricht, wird bei der Operation das gerissene Kreuzband durch ein Transplantat ersetzt. Hierfür eignet sich besonders ein Teil der Sehne zwischen Kniescheibe und Schienbein (Patella-Sehne). Daneben werden auch häufig die Semitendinosus-Sehne (vom Oberschenkel) oder selten von Leichen entnommene Sehnen verwendet. Der Vorteil bei der Semitendinosus-Sehne besteht vor allem darin, dass die Entnahmestelle weniger schmerzhaft verheilt als die der Patella-Sehne. Wird ein Transplantat eines Toten verwendet, entfallen diese Schmerzen aufgrund der fehlenden Entnahme ganz, allerdings kann es hier zu Abstoßreaktionen kommen.

Das Transplantat wird während einer Arthroskopie  im Verlauf des Kreuzbands angebracht und mit Schrauben oder durch Einpressen an Oberschenkelknochen und Schienbein befestigt.

Nicht jeder Kreuzbandriss muss operiert werden. Ob die operative Therapie eines Kreuzbandrisses in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Alter und der sportlichen Aktivität der Betroffenen ab. Sportlich wenig aktive Menschen können durch gezieltes und konsequentes Training der Oberschenkelmuskulatur eine so gute Führung und Stabilität des Kniegelenks erreichen, dass der Kreuzbandriss nicht operiert werden muss. Die Krankengymnastik kann durch Kälte- und Ultraschalltherapie unterstützt werden. Um das Kniegelenk während des Heilungsprozesses zu entlasten, sollten Unterarmgehstützen und Knieschienen verwendet werden.

Verlauf

Komplikationen

Allgemeine Operationskomplikationen wie Blutungen, Gelenkinfektionen, Thrombosen, Nerven- und Gefäßverletzungen kommen bei einem Kreuzbandriss selten vor. Wenn das Transplantat aus körpereigenem Gewebe (Sehne) besteht, vertragen die meisten Menschen es sehr gut; der Heilungsprozess verläuft dann problemlos. In seltenen Fällen kann es zu Bewegungseinschränkungen, einer Lockerung des Transplantats, einem Meniskusschaden oder einem Bruch der Kniescheibe kommen. Auch eine bleibende oder zunehmende Instabilität des Kniegelenks ist nach der Operation eines Kreuzbandrisses die Ausnahme.

Prognose

Ohne Behandlung kann ein Kreuzbandriss zu einem Meniskus- und Knorpelschaden im Gelenk führen. Das Langzeitergebnis einer Kreuzbandoperation ist sehr gut. Nach zwölf bis 16 Wochen ist meist die volle körperliche Leistungsfähigkeit wieder erreicht und auch später nicht eingeschränkt. Sowohl bei einer operativen als auch bei einer konservativen Therapie eines Kreuzbandrisses ist es wichtig, konsequent die Beinmuskulatur zu trainieren, um einem verfrühten Gelenkverschleiß (Arthrose) vorzubeugen.

Nachsorge

Da nach der Operation eines Kreuzbandrisses das Kniegelenk nicht sofort vollständig belastet werden darf, wird – je nach Stabilität des Kreuzbandersatzes – für sechs bis zwölf Wochen eine spezielle Knieschiene angelegt. Begleitend dazu wird durch Krankengymnastik insbesondere die Oberschenkel-Muskulatur trainiert, und das Knie wird schrittweise immer häufiger und mehr belastet.