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Aug 20 2012

Muskelverletzungen

Muskelverletzungen kommen besonders häufig beim Sport vor. Sie können entstehen, wenn die Sporttreibenden unzureichend trainiert sind, wenn sie ihre Muskulatur nicht genügend aufgewärmt haben oder wenn sie übermüdet sind.

Der Schweregrad der Verletzungen reicht vom harmlosen Muskelkater bis hin zu einem Riss ganzer Muskelstränge. Gerade bei schweren Verletzungen wie Muskelrissen oder Muskelprellungen kann mithilfe richtig durchgeführter Erstmaßnahmen und einer verordneten Sportpause die Zeit bis zur völligen Wiederherstellung erheblich verkürzt werden. Sorgfältiges Aufwärmen vor dem Training minimiert das Risiko für Muskelverletzungen.

Definition

Muskelverletzungen können unterschiedlich schwer sein: Vom harmlosen Muskelkater über Zerrungen der Muskulatur, Muskelprellungen bis hin zu Muskelfaser- und Muskelrissen. Muskelverletzungen gehören mit bis zu 30 Prozent zu den häufigsten Verletzungen im Breiten- und Spitzensport. Muskelverletzungen werden sehr häufig unterschätzt und auch die vom Arzt empfohlenen Sportpausen werden sehr oft ignoriert.

Anatomie

Es gibt über 300 verschiedene Muskeln im menschlichen Körper. Dabei besteht jeder einzelne Muskelstrang wiederum aus Tausenden von Muskelfasern. Die Dicke dieser Fasern schwankt zwischen neun und 100 Mikrometern (1 Mikrometer = ein Tausendstel Millimeter), während ihre Länge zwischen nur wenigen Mikrometern und mehreren Zentimetern variiert. Zwischen den einzelnen Fasern befinden sich kleinste Blutgefäße (Kapillaren) sowie Nervenfasern und Bindegewebe. Das Bindegewebe fasst die einzelnen Fasern zu Muskelfaserbündeln zusammen. Diese Faserbündel wiederum werden von einer bindegewebsartigen Struktur, der Muskelfaszie, umhüllt und bilden so einen gut abgrenzbaren Einzelmuskel.

Im menschlichen Körper gibt es drei Arten von Muskelgeweben, die aufgrund ihres Aussehens unter dem Mikroskop in zwei Gruppen – glatte und quergestreifte Muskulatur – unterteilt werden.

Glatte oder unwillkürliche Muskulatur

Glatte Muskulatur findet sich in Hohlorganen wie Blase oder Darm sowie in den Blutgefäßen. Sie kann nicht willentlich beeinflusst werden, arbeitet völlig autonom und unwillkürlich.

Quergestreifte oder willkürliche Muskulatur

Die quergestreifte oder willkürliche Muskulatur ist für die körperliche Bewegung wichtig, weil diese Art von Muskeln willentlich beeinflusst werden kann. Dieses auch als Skelettmuskulatur bezeichnete Gewebe macht bis zu 40 Prozent des Körpergewichts aus.

Herzmuskulatur

Die Herzmuskulatur nimmt eine Sonderstellung ein. Sie zählt zwar auch zur quergestreiften Muskulatur, unterliegt aber nicht dem Willen.

Muskelfunktion

Damit ein Muskel eine gezielte Bewegung ausführen kann, muss er durch Nervenfasern mit dem Gehirn verbunden sein. Den Befehl, einen Muskel zu bewegen, sendet das Gehirn über das Rückenmark an das periphere Nervensystem. Die Endfasern dieses Systems treten mit dem Muskel über die motorischen Endplatten (Synapsen) in Kontakt.

Hat ein Nervenimpuls diese Endverzweigungsstelle der Nervenzelle erreicht, setzen kleine Speicherbläschen (Vesikel) einen Botenstoff (Acetylcholin) frei. Über die Zellmembran und den so genannten synaptischen Spalt gelangt das Acetylcholin an die Aufnahmestellen (Rezeptoren) der einzelnen Muskelzellen. Nachdem das Acetylcholin mit den Rezeptoren eine chemische Verbindung eingegangen ist, ändert sich für kurze Zeit die Durchlässigkeit der Zellmembranen für elektrisch geladene Natrium- und Kaliumionen. Dadurch verändern sich die elektrischen Spannungsverhältnisse innerhalb der Muskelzellen. Während dieses Vorgangs – auch Depolarisation genannt – schieben sich kleine Eiweißfäden innerhalb der Muskelzelle wie ein Teleskop ineinander und verkürzen dadurch den gesamten Muskel.

Wie viel Kraft ein Muskel ausüben kann, hängt im Wesentlichen von seinem physiologischen Querschnitt ab: Je größer der Gesamtquerschnitt aller Muskelfasern, desto größer ist das Kraftpotenzial eines Muskels. Bei der Hubhöhe kommt es dagegen auf die Länge der jeweiligen Muskelfasern an. Je länger die Fasern, desto größer ist der Bewegungsspielraum eines Muskels. Sowohl der Querschnitt eines Muskels als auch die Länge seiner Muskelfasern sind bis zu einem gewissen Grad durch gezieltes Training beeinflussbar.

Ursachen

Muskelverletzungen treten sehr häufig beim Sport durch ungenügendes vorheriges Aufwärmen der Muskulatur auf – besonders bei kalter Witterung. Auch ein unzureichender Trainingszustand und Übermüdung können die Ursache dafür sein, dass Muskeln beim Sport verletzt werden.

Muskelkater

Ein Muskelkater wird meist dadurch ausgelöst, dass einzelne Muskelpartien ungewohnt und dauerhaft belastet werden, beispielsweise nach dem Training neuer Bewegungsmuster. Ursache ist nicht – wie lange angenommen – die im Muskel verbliebene Milchsäure (Laktat). Vielmehr werden die typischen Beschwerden durch Mikroverletzungen der Muskelfasern hervorgerufen, die wiederum durch eine unkoordinierte Muskelarbeit bei ungewohnten Bewegungsmustern entstehen.

Muskelzerrung

Die Ursache für eine Muskelzerrung besteht meist darin, dass der entsprechende Muskel bis zu seiner Elastizitätsgrenze überbelastet wird. Dies passiert beispielsweise sehr häufig durch ungeeignetes Schuhwerk, das keine ausreichende Stabilität bietet. Im Gegensatz zu Muskelrissen ist bei einer Zerrung die Grenze der Elastizität jedoch nicht überschritten.

Muskelfaserriss und Muskelriss

Eine Sportart, bei der Muskelfaserrisse und Muskelrisse besonders häufig auftreten, ist der Kurzstreckensprint. Hier wird die gesamte Oberschenkelmuskulatur plötzlich angespannt und nachfolgend extrem belastet. Aber auch bei anderen Sportarten, bei denen die Schnellkraft des Muskels gefordert ist und Beschleunigen und Abbremsen sich immer wieder abwechseln (Squash und andere Ballsportarten), besteht ein hohes Risiko für Verletzungen.

Muskelprellung

Eine Muskelprellung entsteht, wenn ein Muskel gewaltsam gegen einen darunter liegenden Knochen gequetscht wird. Verursacht wird dies vor allem durch starke äußere Gewalteinwirkungen wie Tritte und Schläge gegen die Extremitäten.

Symptome

Muskelkater

Ein Muskelkater tritt niemals direkt beim Sport auf, sondern setzt erst nach einer gewissen Zeit, meist nach einigen Stunden ein. Die mitunter heftigen Schmerzen können dabei bis zu einer Woche andauern. Zudem können eine oder mehrere Muskelpartien aufgrund der Schmerzen nur stark eingeschränkt beweglich sein. Unter Umständen kann ein Muskelkater die maximale Kraft eines Muskels um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Muskelzerrung

Bei einer Muskelzerrung kommt es zu einem plötzlichen krampfartigen, starken Schmerz. Der Muskel ist sofort bewegungsunfähig, weil die Muskelfasern extrem überdehnt sind. Eine solche Schädigung ist jedoch nur mikroskopisch sichtbar. Die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung können einen Tag bis mehrere Wochen andauern.

Muskelfaserriss und Muskelriss

Ein Muskelfaserriss tritt ohne Vorwarnung auf. Merkmal ist ein äußerst heftig einsetzender, stechender Schmerz. Der Sportler ist augenblicklich nicht mehr in der Lage, die betroffene Extremität wie gewohnt zu bewegen. Zudem entsteht ein deutlicher Druck-, Dehn-, Anspannungs- und Widerstandsschmerz. Ursache dieser Beschwerden ist der Riss einzelner oder mehrerer Muskelfasern. Dabei können die Muskelfasern entweder in Längs- oder Querrichtung gerissen sein.

 

Auch beim Muskelriss setzen die Schmerzen plötzlich und ohne Vorwarnung ein. Die Beweglichkeit der betroffenen Extremität ist allerdings noch weiter eingeschränkt, manchmal auch vollständig ausgeschaltet. Wenn ein großer Muskel reißt, ist die Stelle, an der sich der intakte Muskel gewöhnlich befindet, unter Umständen deutlich eingedellt oder eingebuchtet.

Sowohl beim Muskelriss als auch beim Muskelfaserriss bildet sich nach kurzer Zeit ein Bluterguss (Hämatom). Entwickelt dieser sich auch außerhalb der Muskelfaszie, ist er nach kurzer Zeit von außen gut sichtbar.

Muskelprellung

Nach einer Muskelprellung schmerzt die betroffene Stelle stark. Im Vergleich zu einem Muskelriss ist das Schmerzareal jedoch größer. Nach einer gewissen Zeit kann aufgrund gequetschter und gerissener Muskelfasern ein großflächiger Bluterguss (Hämatom) entstehen.

Diagnose

Ob bei einer Muskelverletzung lediglich eine Muskelzerrung vorliegt, einzelne Fasern eines Muskels oder gar ein vollständiger Muskelstrang gerissen sind, lässt sich erst nach einer ärztlichen Untersuchung sagen. Die betroffene Region wird zunächst abgetastet und auf eventuelle Dellen untersucht, um einen Eindruck von der Größe des Risses zu gewinnen. Kleinere Dellen weisen auf einen Muskelfaserriss hin, größere, manchmal auch äußerlich sichtbare Einbuchtungen dagegen auf eine Ruptur, bei der ein vollständiger Muskelstrang gerissen ist. Eine Ultraschalluntersuchung ( Sonographie) liefert genauere Anhaltspunkte.

Bei einer Muskelprellung wird die betroffene Region ebenfalls sonographisch untersucht, um das Ausmaß der Verletzung genau beurteilen zu können. Unter Umständen sind auch Röntgenuntersuchungen erforderlich, um eine Knochenverletzung auszuschließen.

Therapie

Um einen Muskelkater zu kurieren, sollte der Muskel einen Tag lang geschont und kein Sport getrieben werden. Durch warme Bäder oder Saunagänge wird die betroffene Muskulatur besser durchblutet, was den Heilungsprozess beschleunigt. Besonders während der Schmerzphase sollten keine Massagen durchgeführt werden. Erst wenn der Schmerz etwas abgeklungen ist, sind Lockerungsmassagen und ein gezieltes Muskelaufbautraining sinnvoll. Eine wirksame medikamentöse Behandlung eines Muskelkaters ist nicht bekannt.

Während eine Muskelzerrung nur konservativ behandelt wird, können Muskelfaserrisse und Muskelrisse auch operiert werden. Welche Behandlung bei einer Muskelprellung angewendet wird, hängt davon ab, über welche Fläche sich die Verletzung ausdehnt. Bei Muskelprellungen im Sport ist eine konservative Therapie meist ausreichend, während schwerwiegende Verletzungen mit großflächigen Einblutungen in die Muskulatur eine Operation erfordern können. Welche Therapieform im Einzelfall angewendet wird, hängt vor allem vom Ausmaß der Verletzung ab.

Erstversorgung

Abgesehen vom Muskelkater gilt bei allen Muskelverletzungen, umgehend die sportliche Aktivität abzubrechen. Eine richtige Erstversorgung kann den Heilungsverlauf unter Umständen um mehrere Wochen verkürzen. Damit die Erste-Hilfe-Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge ablaufen, dient das so genannte PECH-Schema als Eselsbrücke:

Das PECH-Schema:

  • P wie Pause: Um weitere Schäden zu vermeiden, sollten direkt nach dem Unfall beziehungsweise sofort nachdem Beschwerden aufgetreten sind, die sportliche Betätigung eingestellt und die betroffene Extremität ruhig gestellt werden.
  • E wie Eis: Um zu verhindern, dass durch einen Bluterguss ( Hämatom) eine Schwellung entsteht, sollte die betroffene Stelle sofort nach dem Unfall mithilfe einer Eisauflage gekühlt werden. Die Kühlung sorgt dafür, dass die verletzte Stelle weniger durchblutet wird. Außerdem sind die Schmerzen umso schwächer, je weniger die betroffene Stelle anschwillt.
  • C wie Compression: Zusätzlich zur Kühlung kann mit einem elastischen, breitflächigen Kompressionsverband dosierter Druck auf die betroffene Stelle ausgeübt werden. So lässt sich verhindern, dass Blut in das Gewebe fließt und eine weitere Schwellung entsteht. Zudem wird der betroffene Muskel durch den unterstützenden Verband stabilisiert und geschont.
  • H wie Hochlagerung: Eine weitere Schwellung und Einblutung in das Gewebe kann auch unterbunden werden, indem die verletze Extremität hoch gelagert wird. Da auch das Kreislaufsystem den Gesetzen der Schwerkraft folgt, fließt durch eine möglichst hoch gelagerte Extremität weniger Blut in die Weichteile der verletzten Region, dafür strömt das Blut umso leichter zurück.

Konservative Therapie

Ziel der konservativen Therapie von Muskelverletzungen ist es, das Muskelgewebe möglichst schnell abschwellen zu lassen und Hämatome abzubauen. Es empfiehlt sich, die Extremität hoch zu lagern und kühlende Verbände anzulegen. Durch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten heilt die Muskelverletzung zwar nicht schneller, doch werden die Beschwerden gelindert. Durch die Ruhigstellung der Muskulatur und Tape-Verbände sollen gerissene Muskelfasern soweit angenähert werden, dass sie selbstständig wieder zusammenwachsen können. Später kommen Maßnahmen der physikalischen Therapie wie Reizstrombehandlung und Lymphdrainagen hinzu.

Operative Therapie

Eine operative Therapie von Muskelverletzungen ist meist notwendig, wenn der Muskelfaserriss größer als ein Drittel des Querschnitts des betroffenen Muskelstrangs ist. Dabei versucht der Chirurg, die gerissenen Muskelfasern wieder zusammenzunähen.

Auch wenn mögliche Hämatome so groß sind, dass der Körper sie nicht selbstständig abbauen kann, sollten diese operativ entfernt werden.

Verlauf

Wie lange es nach einer Muskelverletzung dauert, bis die Bewegungsfähigkeit wieder vollständig hergestellt ist, hängt entscheidend vom Grad der Schädigung ab. Sind nur einzelne Muskelfasern betroffen, kann nach drei Wochen mit aktiven Dehnübungen – bis an die Schmerzgrenze – begonnen werden. Sollte ein ganzer Muskelstrang gerissen sein, verzögert sich der Beginn der Bewegungsübungen bis zu zwölf Wochen. Genauso verhält es sich mit der Wiederaufnahme einer sportlichen Betätigung. Hier gilt: Je geringer die Verletzung, desto eher kann mit dem Training begonnen werden. Wird der betroffene Muskel zu früh belastet, kann dies jedoch zu einem erneuten Muskelriss führen.

Grundsätzlich ist die Prognose nach Muskelverletzungen gut. Während beim Muskelkater die Beschwerden nach spätestens einer Woche wieder verschwunden sind, kann es bei schweren Verletzungen zu längeren Einschränkungen kommen. Bei einem Muskelriss sollte zum Beispiel je nach Ausmaß der Verletzung bis zu 16 Wochen kein Sport ausgeübt werden. Bei leichten Verletzungen ist mit ärztlicher Genehmigung ein Einstiegstraining schon nach ein bis zwei Wochen wieder möglich. Nach Muskelzerrungen kann das Training im günstigsten Fall schon nach einem Tag wieder aufgenommen werden.