Aug 20 2012

Wer viel im Sitzen arbeitet

Wer viel im Sitzen arbeitet, hat oft auch mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Kein Wunder, dass rund 70 Prozent der Deutschen regelmäßig mit Rückenproblemen zu kämpfen haben. Egal ob man am Schreibtisch oder am Steuer eines Fahrzeugs sitzt. Man verfällt schnell in eine ungünstige Körperhaltung. Die Folgen sind Verspannungen und Verkrampfungen in der Rückenmuskulatur, die dann auch schuld daran sind, wenn man sich den ganzen Tag mit Schmerzen herumplagen muss.

Im Extremfall kann sich durch zu langes und vor allem durch falsches Sitzen die Rückenmuskulatur sogar zurückbilden. Denn sie wird zu wenig beansprucht. Wie jeder Muskel bildet sich auch die Rückenmuskulatur zurück, wenn sie nicht trainiert wird. Und das tut sie beim Sitzen wenig bis gar nicht.

Merken Sie, dass Sie beim Sitzen oft eine krumme Position einnehmen? Fühlen Sie sich abends oft verspannt? Fällt Ihnen beim Blick in den Spiegel auf, dass Sie nicht aufrecht gehen oder stehen? Das kann an einer schlechten Sitzposition im Arbeitsalltag liegen. Die ist bei vielen die Hauptursache für die Rückenprobleme.

 

Aug 20 2012

Muskelverletzungen

Muskelverletzungen kommen besonders häufig beim Sport vor. Sie können entstehen, wenn die Sporttreibenden unzureichend trainiert sind, wenn sie ihre Muskulatur nicht genügend aufgewärmt haben oder wenn sie übermüdet sind.

Der Schweregrad der Verletzungen reicht vom harmlosen Muskelkater bis hin zu einem Riss ganzer Muskelstränge. Gerade bei schweren Verletzungen wie Muskelrissen oder Muskelprellungen kann mithilfe richtig durchgeführter Erstmaßnahmen und einer verordneten Sportpause die Zeit bis zur völligen Wiederherstellung erheblich verkürzt werden. Sorgfältiges Aufwärmen vor dem Training minimiert das Risiko für Muskelverletzungen.

Definition

Muskelverletzungen können unterschiedlich schwer sein: Vom harmlosen Muskelkater über Zerrungen der Muskulatur, Muskelprellungen bis hin zu Muskelfaser- und Muskelrissen. Muskelverletzungen gehören mit bis zu 30 Prozent zu den häufigsten Verletzungen im Breiten- und Spitzensport. Muskelverletzungen werden sehr häufig unterschätzt und auch die vom Arzt empfohlenen Sportpausen werden sehr oft ignoriert.

Anatomie

Es gibt über 300 verschiedene Muskeln im menschlichen Körper. Dabei besteht jeder einzelne Muskelstrang wiederum aus Tausenden von Muskelfasern. Die Dicke dieser Fasern schwankt zwischen neun und 100 Mikrometern (1 Mikrometer = ein Tausendstel Millimeter), während ihre Länge zwischen nur wenigen Mikrometern und mehreren Zentimetern variiert. Zwischen den einzelnen Fasern befinden sich kleinste Blutgefäße (Kapillaren) sowie Nervenfasern und Bindegewebe. Das Bindegewebe fasst die einzelnen Fasern zu Muskelfaserbündeln zusammen. Diese Faserbündel wiederum werden von einer bindegewebsartigen Struktur, der Muskelfaszie, umhüllt und bilden so einen gut abgrenzbaren Einzelmuskel.

Im menschlichen Körper gibt es drei Arten von Muskelgeweben, die aufgrund ihres Aussehens unter dem Mikroskop in zwei Gruppen – glatte und quergestreifte Muskulatur – unterteilt werden.

Glatte oder unwillkürliche Muskulatur

Glatte Muskulatur findet sich in Hohlorganen wie Blase oder Darm sowie in den Blutgefäßen. Sie kann nicht willentlich beeinflusst werden, arbeitet völlig autonom und unwillkürlich.

Quergestreifte oder willkürliche Muskulatur

Die quergestreifte oder willkürliche Muskulatur ist für die körperliche Bewegung wichtig, weil diese Art von Muskeln willentlich beeinflusst werden kann. Dieses auch als Skelettmuskulatur bezeichnete Gewebe macht bis zu 40 Prozent des Körpergewichts aus.

Herzmuskulatur

Die Herzmuskulatur nimmt eine Sonderstellung ein. Sie zählt zwar auch zur quergestreiften Muskulatur, unterliegt aber nicht dem Willen.

Muskelfunktion

Damit ein Muskel eine gezielte Bewegung ausführen kann, muss er durch Nervenfasern mit dem Gehirn verbunden sein. Den Befehl, einen Muskel zu bewegen, sendet das Gehirn über das Rückenmark an das periphere Nervensystem. Die Endfasern dieses Systems treten mit dem Muskel über die motorischen Endplatten (Synapsen) in Kontakt.

Hat ein Nervenimpuls diese Endverzweigungsstelle der Nervenzelle erreicht, setzen kleine Speicherbläschen (Vesikel) einen Botenstoff (Acetylcholin) frei. Über die Zellmembran und den so genannten synaptischen Spalt gelangt das Acetylcholin an die Aufnahmestellen (Rezeptoren) der einzelnen Muskelzellen. Nachdem das Acetylcholin mit den Rezeptoren eine chemische Verbindung eingegangen ist, ändert sich für kurze Zeit die Durchlässigkeit der Zellmembranen für elektrisch geladene Natrium- und Kaliumionen. Dadurch verändern sich die elektrischen Spannungsverhältnisse innerhalb der Muskelzellen. Während dieses Vorgangs – auch Depolarisation genannt – schieben sich kleine Eiweißfäden innerhalb der Muskelzelle wie ein Teleskop ineinander und verkürzen dadurch den gesamten Muskel.

Wie viel Kraft ein Muskel ausüben kann, hängt im Wesentlichen von seinem physiologischen Querschnitt ab: Je größer der Gesamtquerschnitt aller Muskelfasern, desto größer ist das Kraftpotenzial eines Muskels. Bei der Hubhöhe kommt es dagegen auf die Länge der jeweiligen Muskelfasern an. Je länger die Fasern, desto größer ist der Bewegungsspielraum eines Muskels. Sowohl der Querschnitt eines Muskels als auch die Länge seiner Muskelfasern sind bis zu einem gewissen Grad durch gezieltes Training beeinflussbar.

Ursachen

Muskelverletzungen treten sehr häufig beim Sport durch ungenügendes vorheriges Aufwärmen der Muskulatur auf – besonders bei kalter Witterung. Auch ein unzureichender Trainingszustand und Übermüdung können die Ursache dafür sein, dass Muskeln beim Sport verletzt werden.

Muskelkater

Ein Muskelkater wird meist dadurch ausgelöst, dass einzelne Muskelpartien ungewohnt und dauerhaft belastet werden, beispielsweise nach dem Training neuer Bewegungsmuster. Ursache ist nicht – wie lange angenommen – die im Muskel verbliebene Milchsäure (Laktat). Vielmehr werden die typischen Beschwerden durch Mikroverletzungen der Muskelfasern hervorgerufen, die wiederum durch eine unkoordinierte Muskelarbeit bei ungewohnten Bewegungsmustern entstehen.

Muskelzerrung

Die Ursache für eine Muskelzerrung besteht meist darin, dass der entsprechende Muskel bis zu seiner Elastizitätsgrenze überbelastet wird. Dies passiert beispielsweise sehr häufig durch ungeeignetes Schuhwerk, das keine ausreichende Stabilität bietet. Im Gegensatz zu Muskelrissen ist bei einer Zerrung die Grenze der Elastizität jedoch nicht überschritten.

Muskelfaserriss und Muskelriss

Eine Sportart, bei der Muskelfaserrisse und Muskelrisse besonders häufig auftreten, ist der Kurzstreckensprint. Hier wird die gesamte Oberschenkelmuskulatur plötzlich angespannt und nachfolgend extrem belastet. Aber auch bei anderen Sportarten, bei denen die Schnellkraft des Muskels gefordert ist und Beschleunigen und Abbremsen sich immer wieder abwechseln (Squash und andere Ballsportarten), besteht ein hohes Risiko für Verletzungen.

Muskelprellung

Eine Muskelprellung entsteht, wenn ein Muskel gewaltsam gegen einen darunter liegenden Knochen gequetscht wird. Verursacht wird dies vor allem durch starke äußere Gewalteinwirkungen wie Tritte und Schläge gegen die Extremitäten.

Symptome

Muskelkater

Ein Muskelkater tritt niemals direkt beim Sport auf, sondern setzt erst nach einer gewissen Zeit, meist nach einigen Stunden ein. Die mitunter heftigen Schmerzen können dabei bis zu einer Woche andauern. Zudem können eine oder mehrere Muskelpartien aufgrund der Schmerzen nur stark eingeschränkt beweglich sein. Unter Umständen kann ein Muskelkater die maximale Kraft eines Muskels um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Muskelzerrung

Bei einer Muskelzerrung kommt es zu einem plötzlichen krampfartigen, starken Schmerz. Der Muskel ist sofort bewegungsunfähig, weil die Muskelfasern extrem überdehnt sind. Eine solche Schädigung ist jedoch nur mikroskopisch sichtbar. Die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung können einen Tag bis mehrere Wochen andauern.

Muskelfaserriss und Muskelriss

Ein Muskelfaserriss tritt ohne Vorwarnung auf. Merkmal ist ein äußerst heftig einsetzender, stechender Schmerz. Der Sportler ist augenblicklich nicht mehr in der Lage, die betroffene Extremität wie gewohnt zu bewegen. Zudem entsteht ein deutlicher Druck-, Dehn-, Anspannungs- und Widerstandsschmerz. Ursache dieser Beschwerden ist der Riss einzelner oder mehrerer Muskelfasern. Dabei können die Muskelfasern entweder in Längs- oder Querrichtung gerissen sein.

 

Auch beim Muskelriss setzen die Schmerzen plötzlich und ohne Vorwarnung ein. Die Beweglichkeit der betroffenen Extremität ist allerdings noch weiter eingeschränkt, manchmal auch vollständig ausgeschaltet. Wenn ein großer Muskel reißt, ist die Stelle, an der sich der intakte Muskel gewöhnlich befindet, unter Umständen deutlich eingedellt oder eingebuchtet.

Sowohl beim Muskelriss als auch beim Muskelfaserriss bildet sich nach kurzer Zeit ein Bluterguss (Hämatom). Entwickelt dieser sich auch außerhalb der Muskelfaszie, ist er nach kurzer Zeit von außen gut sichtbar.

Muskelprellung

Nach einer Muskelprellung schmerzt die betroffene Stelle stark. Im Vergleich zu einem Muskelriss ist das Schmerzareal jedoch größer. Nach einer gewissen Zeit kann aufgrund gequetschter und gerissener Muskelfasern ein großflächiger Bluterguss (Hämatom) entstehen.

Diagnose

Ob bei einer Muskelverletzung lediglich eine Muskelzerrung vorliegt, einzelne Fasern eines Muskels oder gar ein vollständiger Muskelstrang gerissen sind, lässt sich erst nach einer ärztlichen Untersuchung sagen. Die betroffene Region wird zunächst abgetastet und auf eventuelle Dellen untersucht, um einen Eindruck von der Größe des Risses zu gewinnen. Kleinere Dellen weisen auf einen Muskelfaserriss hin, größere, manchmal auch äußerlich sichtbare Einbuchtungen dagegen auf eine Ruptur, bei der ein vollständiger Muskelstrang gerissen ist. Eine Ultraschalluntersuchung ( Sonographie) liefert genauere Anhaltspunkte.

Bei einer Muskelprellung wird die betroffene Region ebenfalls sonographisch untersucht, um das Ausmaß der Verletzung genau beurteilen zu können. Unter Umständen sind auch Röntgenuntersuchungen erforderlich, um eine Knochenverletzung auszuschließen.

Therapie

Um einen Muskelkater zu kurieren, sollte der Muskel einen Tag lang geschont und kein Sport getrieben werden. Durch warme Bäder oder Saunagänge wird die betroffene Muskulatur besser durchblutet, was den Heilungsprozess beschleunigt. Besonders während der Schmerzphase sollten keine Massagen durchgeführt werden. Erst wenn der Schmerz etwas abgeklungen ist, sind Lockerungsmassagen und ein gezieltes Muskelaufbautraining sinnvoll. Eine wirksame medikamentöse Behandlung eines Muskelkaters ist nicht bekannt.

Während eine Muskelzerrung nur konservativ behandelt wird, können Muskelfaserrisse und Muskelrisse auch operiert werden. Welche Behandlung bei einer Muskelprellung angewendet wird, hängt davon ab, über welche Fläche sich die Verletzung ausdehnt. Bei Muskelprellungen im Sport ist eine konservative Therapie meist ausreichend, während schwerwiegende Verletzungen mit großflächigen Einblutungen in die Muskulatur eine Operation erfordern können. Welche Therapieform im Einzelfall angewendet wird, hängt vor allem vom Ausmaß der Verletzung ab.

Erstversorgung

Abgesehen vom Muskelkater gilt bei allen Muskelverletzungen, umgehend die sportliche Aktivität abzubrechen. Eine richtige Erstversorgung kann den Heilungsverlauf unter Umständen um mehrere Wochen verkürzen. Damit die Erste-Hilfe-Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge ablaufen, dient das so genannte PECH-Schema als Eselsbrücke:

Das PECH-Schema:

  • P wie Pause: Um weitere Schäden zu vermeiden, sollten direkt nach dem Unfall beziehungsweise sofort nachdem Beschwerden aufgetreten sind, die sportliche Betätigung eingestellt und die betroffene Extremität ruhig gestellt werden.
  • E wie Eis: Um zu verhindern, dass durch einen Bluterguss ( Hämatom) eine Schwellung entsteht, sollte die betroffene Stelle sofort nach dem Unfall mithilfe einer Eisauflage gekühlt werden. Die Kühlung sorgt dafür, dass die verletzte Stelle weniger durchblutet wird. Außerdem sind die Schmerzen umso schwächer, je weniger die betroffene Stelle anschwillt.
  • C wie Compression: Zusätzlich zur Kühlung kann mit einem elastischen, breitflächigen Kompressionsverband dosierter Druck auf die betroffene Stelle ausgeübt werden. So lässt sich verhindern, dass Blut in das Gewebe fließt und eine weitere Schwellung entsteht. Zudem wird der betroffene Muskel durch den unterstützenden Verband stabilisiert und geschont.
  • H wie Hochlagerung: Eine weitere Schwellung und Einblutung in das Gewebe kann auch unterbunden werden, indem die verletze Extremität hoch gelagert wird. Da auch das Kreislaufsystem den Gesetzen der Schwerkraft folgt, fließt durch eine möglichst hoch gelagerte Extremität weniger Blut in die Weichteile der verletzten Region, dafür strömt das Blut umso leichter zurück.

Konservative Therapie

Ziel der konservativen Therapie von Muskelverletzungen ist es, das Muskelgewebe möglichst schnell abschwellen zu lassen und Hämatome abzubauen. Es empfiehlt sich, die Extremität hoch zu lagern und kühlende Verbände anzulegen. Durch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten heilt die Muskelverletzung zwar nicht schneller, doch werden die Beschwerden gelindert. Durch die Ruhigstellung der Muskulatur und Tape-Verbände sollen gerissene Muskelfasern soweit angenähert werden, dass sie selbstständig wieder zusammenwachsen können. Später kommen Maßnahmen der physikalischen Therapie wie Reizstrombehandlung und Lymphdrainagen hinzu.

Operative Therapie

Eine operative Therapie von Muskelverletzungen ist meist notwendig, wenn der Muskelfaserriss größer als ein Drittel des Querschnitts des betroffenen Muskelstrangs ist. Dabei versucht der Chirurg, die gerissenen Muskelfasern wieder zusammenzunähen.

Auch wenn mögliche Hämatome so groß sind, dass der Körper sie nicht selbstständig abbauen kann, sollten diese operativ entfernt werden.

Verlauf

Wie lange es nach einer Muskelverletzung dauert, bis die Bewegungsfähigkeit wieder vollständig hergestellt ist, hängt entscheidend vom Grad der Schädigung ab. Sind nur einzelne Muskelfasern betroffen, kann nach drei Wochen mit aktiven Dehnübungen – bis an die Schmerzgrenze – begonnen werden. Sollte ein ganzer Muskelstrang gerissen sein, verzögert sich der Beginn der Bewegungsübungen bis zu zwölf Wochen. Genauso verhält es sich mit der Wiederaufnahme einer sportlichen Betätigung. Hier gilt: Je geringer die Verletzung, desto eher kann mit dem Training begonnen werden. Wird der betroffene Muskel zu früh belastet, kann dies jedoch zu einem erneuten Muskelriss führen.

Grundsätzlich ist die Prognose nach Muskelverletzungen gut. Während beim Muskelkater die Beschwerden nach spätestens einer Woche wieder verschwunden sind, kann es bei schweren Verletzungen zu längeren Einschränkungen kommen. Bei einem Muskelriss sollte zum Beispiel je nach Ausmaß der Verletzung bis zu 16 Wochen kein Sport ausgeübt werden. Bei leichten Verletzungen ist mit ärztlicher Genehmigung ein Einstiegstraining schon nach ein bis zwei Wochen wieder möglich. Nach Muskelzerrungen kann das Training im günstigsten Fall schon nach einem Tag wieder aufgenommen werden.

 

Aug 20 2012

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall

Der Bandscheibenvorfall (lat. Prolapsus nuclei pulposi, Discushernie, Discusprolaps, auch Bandscheibenprolaps, BSP) ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal – den Raum, in dem das Rückenmark liegt – vortreten. Im Gegensatz zur Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung) wird beim Prolaps der Faserknorpelring der Bandscheibe (Anulus fibrosus) ganz oder teilweise durchgerissen, während das hintere Längsband (Ligamentum longitudinale posterius) intakt bleiben kann (sogenannter subligamentärer Bandscheibenvorfall).

Die Ursache ist oft eine Überlastung bei Vorschädigung der Bandscheiben, ein Bandscheibenvorfall kann aber auch ohne äußeren Anlass auftreten. Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke, häufig in die Extremitäten ausstrahlende Schmerzen, oft mit einem Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der eingeklemmten Nervenwurzel, gelegentlich auch Lähmungserscheinungen. Eine Behandlung ist meistens konservativ möglich, schwere Vorfälle müssen operativ behandelt werden.

Dass ein Bandscheibenvorfall die Ursache für eine Nervenwurzelkompression ist, wurde erstmals 1934 von den Amerikanern W. J. Mixter und J. S. Barr beschrieben, die auch erstmals eine Laminektomie als chirurgische Behandlung vorschlugen.

Bandscheiben sind bradytrophe Gewebe, das heißt, sie werden nicht direkt aus dem Blutkreislauf heraus mit Nährstoffen versorgt, sondern durch Diffusion. Hierbei spielen semipermeable Membranen, welche die Knorpelringe voneinander trennen, die entscheidende Rolle. Durch Scherkräfte können diese Membranen einreißen, wodurch sie ihre Funktion verlieren und die Bandscheibe nebst Gallertkern der Bandscheibe (Nucleus pulposus) austrocknet (black disc lesion). Wenn es zu einem Bandscheibenvorfall kommt, ist der Gallertkern praktisch nicht mehr in seiner ursprünglichen Form vorhanden. Der Bandscheibenvorfall entsteht also zumeist auf dem Boden einer langjährigen Vorschädigung der Bandscheibe. Der Gallertkern (ca. 80 % Wasser) besteht bei der gesunden Bandscheibe aus einem gallertigen, zellarmen Gewebe und übernimmt bei Belastung zusammen mit den Knorpelringen und den Membranen die Funktion einer hydraulischen Kugel („Wasserkissen“). Die Wirbelkörper und Bandscheiben vorne ermöglichen zusammen mit den kleinen Wirbelgelenken hinten („Facettengelenke“) die hohe Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule und ihre hohe Stabilität.

Die menschliche Wirbelsäule hat 23 Bandscheiben. Zwischen dem ersten Wirbel (lat. Atlas) – von oben gezählt – und dem zweiten Wirbel (Axis) ist keine Bandscheibe ausgebildet. Damit wird dem Kopf beim Nicken (Atlas) und Drehen (Axis) die erforderliche Bewegungsfreiheit gegeben. Außerdem konzentrieren sich dort wesentliche Nervenstränge und die Blutversorgung zum Kopf.

Es gibt verschiedene Ursachen für einen Bandscheibenvorfall: genetische Schwächen, einseitige Belastungen oder eine Schwäche der paravertebralen, das heißt neben den Wirbeln gelegenen, Muskulatur. Die ausschließlich unfall- oder verletzungsbedingte Schädigung der Bandscheibe ist bislang nicht als Ursache nachgewiesen – dem widersprechende Argumentationen werden von Berufsgenossenschaften und Sozialgerichten höchst selten anerkannt. Gesundes Bandscheibengewebe soll nach gängiger Meinung, wenn überhaupt, mit einem Stück Knochen zusammen aus dem Wirbelkörper ausreißen. Häufig tritt ein Bandscheibenvorfall auch während einer Schwangerschaft auf. Eine weitere Ursache, die das Vorfallen von Bandscheiben begünstigt, ist der aufrechte Gang des Menschen. Es gibt viele alte Menschen von über 90 Jahren, die in ihrem arbeitsreichen Leben niemals Beschwerden an der Wirbelsäule beziehungsweise den Bandscheiben hatten. Dagegen gibt es Kinder, die schon einen Bandscheibenvorfall erleiden mussten.

Mögliche Ursachen für den rasanten Anstieg von Bandscheibenvorfällen in der heutigen Zeit sind Bewegungsmangel und Fehlhaltungen, vor allem bei Büroarbeiten. Übergewicht ist eher kein Risikofaktor, denn dicke Personen neigen aufgrund des Bauchgewichts zu einer ausgeprägten Nach-Vorn-Wölbung der Lendenwirbelsäule, die Bandscheibenvorfälle verhindert.

Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 40 Jahren, die am häufigsten betroffenen Wirbel liegen im Lendenwirbelbereich. Weniger häufig betroffen sind Halswirbel und nur sehr selten die Brustwirbel. Das Verhältnis ist etwa 100 zu 10 zu 1.

Symptome

Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke, häufig in einen oder beide Arme (Brachialgie) oder in ein oder beide Beine (Ischialgie, Cruralgie) ausstrahlende Schmerzen, oft mit einem Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der eingeklemmten Nervenwurzel. Neuere Berichte besagen, dass die heftigen Schmerzen möglicherweise nicht auf zusammengedrückte Nerven zurückgehen, sondern auf eine Immunreaktion bzw. Entzündung.

Gelegentlich können auch Lähmungserscheinungen an den Gliedmaßen in den sogenannten Kennmuskeln auftreten. In Extremfällen kann es zu einem Querschnittsyndrom kommen, wenn das Rückenmark oder die Cauda equina geschädigt werden. Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule können dadurch Stuhl- und/oder Harninkontinenz sowie Reithosenanästhesie auftreten.

Diagnostik

NMR-Darstellung eines Bandscheibenvorfalles
Der Spinalkanal erscheint in dieser Auswertungstechnik hell, die von links kommende, dunkle Vorwölbung ist der Vorfall, der den Spinalkanal abklemmt.

Ein Bandscheibenvorfall kann sich symptomlos ereignen und wird unter Umständen gar nicht entdeckt. Untersucht man Menschen, die nie wesentlichen Ärger mit der Wirbelsäule hatten, mittels MRT oder CT, finden sich bei 25 bis 28 Prozent dieser „gesunden“ Menschen Bandscheibenvorfälle. Der Umkehrschluss, einen bei einer bloßen Ischiasreizung gefundenen Bandscheibenvorfall als den Quell des Übels anzusprechen und zu operieren, kann daher falsch sein.

Die häufigsten Symptome sind starke Schmerzen (sowohl im Rückenbereich wie auch zu den Beinen ausstrahlend, im Fall der Lendenwirbelsäule), manchmal auch Empfindungsstörungen (Parästhesien) und/oder Lähmungen. Diese äußern sich bei betroffenen Lendenwirbelbandscheiben häufig durch Taubheitsgefühl (pelzig) in den Füßen und Unterschenkeln und Gangunsicherheit. Häufig betroffen ist die Muskulatur, die den Fuß, die Zehen oder den Fußaußenrand hebt.

Die Schmerzen lassen (etwas) nach, wenn man sich in die Rückenschonhaltung begibt. Nachlassende Schmerzen bei fortschreitender Lähmung sind ein schlechtes Zeichen, dann sind die sensorischen (schmerzleitenden) Fasern schon zerstört und die robusteren motorischen Fasern folgen nun.

Ein Neurochirurg, Orthopäde oder Neurologe kann die Diagnose stellen. Häufig wird diese durch bildgebende Verfahren unterstützt. Ein Bandscheibenvorfall kann zu einem positiven Lasègue-Zeichen und Kernig-Zeichen führen. Eine rasche Behandlung kann schädliche Folgen (etwa einen auf Dauer abgeschwächten Fußheber) minimieren. Ein Arzt sollte daher auf jeden Fall aufgesucht werden.

Behandlung

Sowohl konservative Behandlung (PhysiotherapieChiropraktik – Streckgeräte) als auch die seltenere Beseitigung des auf die Nervenwurzel drückenden Bandscheibenteils mittels einer Operation können zum Erfolg im Sinne der Entlastung der Nervenwurzel führen. Auch sogenannte minimal-invasive Eingriffe und mikrochirurgische Verfahren, wie die Perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD), gehören in diesem Zusammenhang genannt. Noch seltener erfolgt eine Versteifung benachbarter Wirbelkörper durch eingebrachtes Metallmaterial (Spondylodese).

MRT eines dreifachen Bandscheibenvorfalls zwischen den Lendenwirbeln 3, 4, 5 und dem Steißbein mit Quetschung des Myelons

In den meisten Fällen (ca. 90 %) führt eine konservative Behandlung mit Schonung und schmerzstillenden Medikamenten zum Erfolg. Wärme in Form von Packungen oder Bädern wird zumeist als angenehm empfunden. Im Verlauf sind Physiotherapie und schonende sportliche Betätigung zum Muskelaufbau notwendig beziehungsweise sinnvoll. Kommt es im Verlauf von etwa sechs Wochen zu keiner entscheidenden Besserung der Beschwerden, sollte ein Neurochirurg oder ein in der Bandscheibenchirurgie versierter Orthopäde konsultiert werden.

Ob operative Maßnahmen im Einzelfall erforderlich sind, ist umstritten: es gibt Einschätzungen, wonach über 80 Prozent der Bandscheibenoperationen überflüssig sind und vermieden werden könnten. Hier wird allgemein die „strenge Indikationsstellung“ für sinnvoll gehalten. Schwere neurologische Schäden, im EMG nachgewiesene Lähmungen, das sogenannte Cauda-equina-Syndrom erfordern eine möglichst rasche Bandscheibenoperation, auch Nukleotomie genannt. Schmerzbehandlung auf operativem Weg ist meistens frustrierend.

Alleine in Deutschland werden jährlich etwa 30.000 Operationen an Bandscheiben vorgenommen. Auch weltweit ist die Bandscheibenoperation der häufigste neurochirurgische Eingriff. Falls keine Lähmungen vorliegen, gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsresultaten dieses Eingriffs und dem konservativen (nicht-operativen) Vorgehen, wie etwa Akupunktur, Medikamente oder Physiotherapie. Dies ist das Ergebnis der weltweit größten klinischen Studie mit 1.244 Bandscheibenpatienten (Spine Patient Outcome Research (SPORT)). Nach wie vor gibt es aber in bestimmten Fällen zwingende Gründe für eine Operation.

Grundsätzliches Behandlungsziel ist, dass auch die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls korrigiert werden: Fehlhaltungen, Überbelastungen, Schwäche der Rumpfmuskulatur (man redet hier vom muskulären Korsett) usw. Viele Krankenhäuser und manche private Einrichtungen bieten sogenannte Rückenschulen an, um die Belastung der Wirbelsäule im Alltag zu minimieren (richtiges Heben, Entlastungsstellungen, Muskelkräftigung). Unter den vielen Therapie- und Diagnoseansätzen befinden sich die Alexander-Technik, Hatha-Yoga, das McKenzie-Konzept, die Spiraldynamik und die Akupunktur.

Vorbeugung

Da die sogenannte „Bindegewebsschwäche“ als primäre Ursache erblich ist, lässt sich einem Bandscheibenvorfall nur bedingt durch Muskelaufbau vorbeugen. Auch die Vermeidung von Unfällen wird sich nicht immer erreichen lassen. So bleibt für jeden Einzelnen jedenfalls die Möglichkeit eines konsequenten Muskelaufbaus durch gymnastische Übungen oder Sport, sowie die Vermeidung des Hebens schwerer Lasten. Es gibt erlernbare Techniken, schwere Lasten „rückengerecht“ zu bewältigen, aber das Vermeiden solcher Aktionen ist nicht in jedem Beruf (z. B. Rettungsdienst) möglich.

Bodybuilding und Fitnesstraining können problematisch werden, manche Studios haben weniger qualifiziertes Personal, so dass die Anleitungen dort nicht immer hilfreich sind.

Erwähnenswert sind hier auch die „orthopädischen Sportarten“, Schwimmen, Tanzen, Laufen (bzw. Joggen, Nordic Walking), Reiten und Radfahren. Ob nach einem Bandscheibenvorfall Sportarten wie etwa Reiten oder Laufen (auf asphaltiertem/zementiertem Untergrund) ebenso wie Radfahren in stark gebeugter Haltung unbedingt zu vermeiden sind, ist nach Erkenntnissen der modernen Sportmedizin stets vom individuellen Schadensbild abhängig.

Eine weitere Maßnahme zur Vorbeugung gegen einen Bandscheibenvorfall ist die richtige Ergonomie am Arbeitsplatz. Das gilt neben den körperlichen Arbeiten auch für Tätigkeiten, die im Sitzen verrichtet werden. Heutzutage gibt es viele ergonomische Lösungen für die Arbeit am Bildschirm, am Schreibtisch und Arbeiten, welche lange statische Sitzpositionen erfordern.

 

Jun 15 2012

Kinesiotape

Das Kinesiotape wird seit den 70er Jahren als gängige Methode in der Sportmedizin sowie mittlerweile in der modernen Physiotherapie im Bereich der Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke angewendet, wobei jede Farbe eine leicht esoterisch angehauchte Bedeutung und Funktion inne hat.

Kinesiotape bei Sportverletzungen

Das Kinesiotape wird als Schmerztherapie eingesetzt. Dabei wird das Tape so platziert, dass es auf das Nerven- und Stoffwechselsystem Einfluss nimmt. Die aus elastischem Nylongewebe oder aus Baumwolle bestehenden Tapes mit einer hautverträglichen Haftschicht führen durch eine gezielte Klebetechnik zu einer spürbaren Schmerzverminderung. Die Tapes sind wasserfest, aber luftdurchlässig.

Gerade bei Sportverletzungen findet Kinesiotaping häufig Verwendung. Bei den Olympischen Spielen in China, bei der EM 2008 oder WM 2010 sowie auch bei anderen Sportarten, konnte man viele Sportler sehen, welche die farbenfrohen Tapes an ihrem Körper kleben hatten.

Kinesiotape: Wirkungsweise

Dem Kinesiotaping wird eine zweifache Wirkung zugeschrieben: Es lindert nicht nur akute Schmerzen durch die spezielle Klebetechnik, sondern wirkt auch nachhaltig, indem es die Muskelfunktion und die Gelenke unterstützt und sich auf die Organe positiv auswirkt. Außerdem wird durch Stimulation das Lymphsystem angeregt, das wiederum den Stoffwechsel vorantreibt.

Durch das Anheben der Haut erzielen die Tapes zudem noch eine erweiterte Öffnung der Lymphzirkulation, so dass eine gute Durchblutung gegeben ist und der Heilungsprozess einsetzen kann.

Obwohl das Tape positive Effekte hervorruft, ist wissenschaftlich immer noch nicht ganz geklärt, wie genau diese Wirkung eigentlich zustande kommt. Fakt ist, dass durch das Aufkleben die Haut Reize empfängt, welche dann in einer rasenden Geschwindigkeit durch die Nervenfasern zum Gehirn gesendet werden. Daraufhin bestimmt das Gehirn mögliche Reaktionen, so dass eine verlangsamte Weiterleitung oder sogar eine Überlagerung schmerzhafter Reize stattfindet, wodurch eine Linderung erzeugt wird.